Gespräch zu 10 Jahre VFG Leipzig e.V. mit Vorstandsmitglied Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig

Aus welchen Gedanken heraus wurde vor 10 Jahren der Verein zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in der Region Leipzig gegründet?

Leipzig ist ein Gesundheitsstandort mit langjähriger Tradition. Die Gründung der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig geht bereits auf das Jahr 1415 zurück. Unser Ziel vor 10 Jahren war es, die regionalen Träger aus der Gesundheitswirtschaft sowie angrenzender Bereiche besser miteinander zu verzahnen und gemeinsam, innovative, nachhaltige Projekte voranzutreiben. Kurz gesagt: Wir wollten das Potenzial des Gesundheitsstandortes Leipzig aktiv fördern und den weiteren Ausbau starker regionaler Versorgungsstrukturen mit „Vorbildcharakter“ voranbringen.

Wie setzt sich die Mitgliedschaft zusammen? Hat es da tendenzielle Veränderungen gegeben und welchen Umständen sind sie geschuldet? Wie sieht die Mitgliederentwicklung zahlenmäßig aus?

Bei unseren derzeit 35 Mitgliedern handelt es sich um eine „gute Mischung“. Vornehmlich setzt sich diese aus Vertretern der Gesundheitswirtschaft und Dienstleistern zusammen. Hierzu zählen u. a. Kliniken, Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen. Eine weitere wichtige Gruppe sind jedoch auch Unternehmen, die nicht in erster Linie aus dem Gesundheitssektor stammen. Somit sind wir interdisziplinär aufgestellt und haben die Möglichkeit auch mal über den „Tellerrand“ hinaus zu blicken. Wir freuen uns, dass unser Verein eine stetig steigende Mitgliederzahl verzeichnet. Unser großer Dank gilt unseren Mitgliedern, welche die Vereinsarbeit unterstützen und mitgestalten. Ohne ihre Visionen und innovativen, kreativen Ideen wäre unser Erfolg nicht möglich.

Das „Leipziger Forum Gesundheitswirtschaft“ ist das wichtigste und öffentlichkeitswirksamste Projekt des Vereins …

Die jährlich stattfindende Veranstaltung ist im Laufe der Zeit zu einer festen Größe der Region herangewachsen und wird nicht nur von Gesundheitsexperten hoch geschätzt. Die Teilnehmer nutzen dieses wichtige Branchentreffen, um Kontakte über die Grenzen der jeweiligen Fachgebiete hinaus zu knüpfen und miteinander konstruktive Diskussionen zu führen. Leitthema des diesjährigen Forums waren die „Anforderungen neuer Versorgungsstrukturen im Zuge der demografischen Entwicklung sächsische Antworten auf infrastrukturelle und technische Fragen“.

Welche Projekte würden Sie rückblickend auf die zehnjährige Vereinsarbeit außerdem hervorheben wollen?

Hervorzuheben ist das im vergangenen Jahr stattgefundene 9. Leipziger Forum Gesundheitswirtschaft. Hier rückte der VFG Leipzig e. V. ein ganz sensibles Thema in den Mittelpunkt: „Waisen der Medizin“. Damit gemeint sind seltene Erkrankungen und Erkrankungen mit besonders schwerer Verlaufsform. Immerhin leiden in Deutschland rund vier Millionen Menschen an seltenen Erkrankungen. In unserer Gesellschaft wird dieses wichtige Thema eher tabuisiert. Der hohe Stellenwert des Themas zeigt sich auch durch den am 28. August 2013 vom Bundeskabinett verabschiedeten „Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen“. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist das regionale Pilotprojekt „Prävention von Mangel und Unterernährung im Alter im ländlichen Raum Sachsen“ aus dem Jahr 2013, welches in der Konzeptentwicklungsphase durch das BMBF gefördert wurde. Ziel des Projektes ist es, den ernährungsbedingten Gesundheitszustand älterer Menschen im häuslichen Umfeld zu verbessern. Dies soll durch die Vernetzung regionaler Gesundheitsakteure des stationären und ambulanten Bereichs erreicht werden. Das Projekt wurde durch den Forschungsverbund Public Health der Medizinischen Fakultät der TU Dresden* in Zusammenarbeit mit dem VFG Leipzig e. V., der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie dem Klinikum St. Georg konzipiert.

Wo will der Verein in den nächsten 10 Jahren hin? Welche Projekte und Herausforderungen stehen an?

Gesundheit ist das wichtigste Gut für die Menschen – dafür macht sich der Verein seit seiner Gründung stark und wird diesen Ansatz auch in Zukunft weiterverfolgen. Dabei steht sowohl der Ausbau der Vernetzung als auch die Entwicklung innovativer, zukunftsweisender Projekte im Fokus. Ein weiterer Baustein wird die Organisation themenspezifischer Veranstaltungen sein, welche die Gesellschaft für „brisante“ Themen sensibilisieren sollen. Beispiele hierfür sind u.a. die Folgen des demografischen Wandels für die Gesellschaft und die Gesundheitswirtschaft oder der Stellenwert des 2. Gesundheitsmarktes.

Ist die Fokussierung – auch im Vereinsnamen – auf die „Region Leipzig“ noch zeitgemäß?

Die Vereinsmitglieder sind in der Mehrzahl durch überregional geschäftliche Aufstellung so erfolgreich. Leipzig – verbunden mit der „Region Leipzig“ – hat als Gründungstätte einen besonderen Stellenwert für den VFG Leipzig e.V. Erst durch hiesige Förderer und Unterstützer war es möglich, den Verein dorthin zu bringen, wo er heute steht. Wir sehen in der überregionalen Vernetzung einen wichtigen Schritt, um zukünftigen Herausforderungen im Bereich der Gesundheitswirtschaft begegnen zu können. Alles andere wäre auch nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen mit unseren Mitgliedern „Dinge bewegen“, die der Gesellschaft zu Gute kommen. Dies ist nur in einem starken, überregionalen Verbund möglich.

 

Die Fragen stellte Moritz Jähnig